Grüne Abgeordnete für Öko-Beerdigungen

Debatte über umweltfreundliche Bestattungen in Bremen

Bremen. Öko ist in. Bio auch. Wir achten darauf, dass wir Eier von glücklichen Hühnern essen. Wir packen unsere Einkäufe in Stofftaschen und machen das Licht aus, wenn gerade Atomstrom durch die Leitungen fließt. Und wer keine Öko-Birne in die Fassung schraubt, gilt als Frevler, der kommenden Generationen eine wüste Ödnis hinterlässt. Aber Öko beim Sterben?

Das Thema ist tabu, auch wenn seit einigen Jahren bereits über Pappsärge gesprochen wird. Und neuerdings auch über Korbsärge. Die grüne Abgeordnete Maike Schaefer will trotzdem, dass sich die Bremer Gedanken machen über die Quecksilber-Belastung durch Krematorien, Totenkleidung, umweltschädliches Einbalsamieren und - tatsächlich - Kompostierung.

Dass Schaefer mit ihrer zweiseitigen Anfrage an den Senat an die Grenzen der Pietät stößt, hat sie bereits gemerkt. Denn der Koalitionspartner SPD trägt die Anfrage nicht mit, die Grünen mussten das Papier allein einreichen - durchaus unüblich im Regierungsbündnis. Sie glaubt indes an die Relevanz und Ernsthaftigkeit des Themas: "Das soll nicht skurril wirken."

Tut es aber auf den ersten Blick. Und auch mit der Pietät ist es so eine Sache. So lautet zum Beispiel Frage 6: "Wie wird mit noch vorhandenen Leichenteilen nach Ablauf der Ruhefrist von 20 bis 25 Jahren verfahren?" Oder Frage 10: "Wie bewertet der Senat andere, umweltfreundlichere Alternativen zur Einäscherung, wie zum Beispiel die Promession (Gefriertrocknung mit anschließender Kompostierung)?"

Das sorgt für Empörung, zum Beispiel bei der CDU-Politikerin Elisabeth Motschmann. Sie sieht in dem Antrag eine "ökologische Verwertung von Leichen". Das sei mit der CDU nicht zu machen und "ethisch nicht verantwortbar. Das geht zu weit". Motschmann ist auch dagegen, auf Friedhöfe und Verstorbene eine rein technische, ökologische Perspektive anzuwenden. "Es gibt genügend Schutzmöglichkeiten für die Umwelt, die wir noch nicht ausgereizt haben." Bestattungen und Friedhöfe müssten unter einem anderen Blickwinkel wahrgenommen werden.

Maike Schaefer betont ausdrücklich, dass sie nicht automatisch alles befürwortet, wonach sie fragt. "Es gibt weltweit unterschiedliche Bestattungsmethoden. Es muss erlaubt sein, danach zu fragen." Zum Beispiel, ob es notwendig ist, Särge innen mit Plastik auszukleiden, das schwer verrottet. Andere Länder seien bei der Debatte über diesen Themenkomplex schon weiter, sagt Schäfer. Und rigoroser.

Maike Schaefer wolle auf die Gefahren hinweisen, die von Bestattungen ausgehen. Sie fragt nach Bodenbelastungen und weist darauf hin, dass in Großbritannien 16 Prozent der Quecksilber-Emissionen aus Krematorien stammen. "Ein mittleres Krematorium mit 4000 Einäscherungen gibt etwa elf Kilogramm Quecksilber im Jahr ab." Sie habe, bevor sie die Anfrage formuliert habe, mit Bestattern gesprochen. Und sie beruft sich die Deutsche Bundesstiftung Umwelt: "Bei der Verwesung können Medikamentenrückstände und Schwermetalle ins Grundwasser gelangen."

"Immer mehr Menschen achten in ihrem Alltag auf umweltfreundliches Verhalten", schreibt die grüne Abgeordnete. Die Menschen, würden sich zunehmend Gedanken darüber machen, wie sie bestattet werden wollen. "Das Bestattungswesen hat mit der Umwelt viel zu tun. Schließlich wird man am Ende in der Umwelt begraben." Deshalb gilt eine Forderung, die die Grünen bisher vor allem für Gärten erhoben haben, künftig auch für die Grabgestaltung: Es sollten möglichst einheimische Pflanzen- und Gehölzarten verwendet werden.

Quelle: Weserkurier (5.3.2012)
Autor: Michael Brand



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